Der geschulte Psychologe unterscheidet zwischen Katzen- und Hundebesitzern so: Wer eine Katze hält, ist bereit zu lieben. Wer sich jedoch für einen Hund entschlossen hat, möchte geliebt werden.
Mich bringt diese Unterscheidung ins Zweifeln. Sie ist tendenziös. Wenn ich meinem Seelsorger Paul richtig zugehört habe, ist Geben seliger denn nehmen, das Lieben also die hochstehendere Tätigkeit als das Geliebtwerden. Auf diese Weise wird eine Hierarchie zwischen Katzen- und Hundemenschen suggeriert, ich unten, du oben.
Aber was heißt es überhaupt, ein Tier zu lieben? Reicht es, der Katze täglich ein paar Brekkies in die Schüssel zu werfen, und schon wird eine Liebesgeschichte daraus? Oder braucht es diese Freude an der schieren Präsenz des Wesens, bei gleichzeitigem Eingeständnis seiner völligen Nutzlosigkeit, damit die Beziehung erst ihren Wert erhält? Wenn du einen Bauern, der seiner Katze eine Schüssel Milch hinstellt, fragst, ob er die Katze liebt, musst du aufpassen, dass er dir keine mit dem Dreschflegel überzieht. Seine Katze muss für ihren Lohn hart arbeiten, während deiner Katze von der Fernsehwerbung ein Petersilienblatt auf den Gourmet-Fraß drapiert wird, damit sie daran denkt, mit ein paar Bissen dich zu belohnen.
Ist es Liebe, wenn mein Hund Barolo mich mit feuchten Mundwinkeln beim Backen eines Kuchens beobachtet, oder hat er bloß Hunger? Und das zärtliche Anstupsen meiner Hand, während ich „Tatort" schaue, ist es frei von Zweck und also ein Zeichen von rührender Zuwendung? Oder hab ich mich bloß zu lang am Sack gekratzt? Der Psychologe bringt mich ganz durcheinander.

kaufe jeden samstag den kurier und freue mich jedesmal auf die barolo-geschichten,welche supertrefflich formuliert sind. wünsche dem barolo ein ganz laaaanges leben,damit wir noch viele geschichten von ihm und seinem herrl lesen können. hilde schieder