Vogellärm

Kolumnen / Kurier Freizeit
Zur Zeit vertreibt sich mein Hund Barolo seine Zeit am liebsten damit, dass er auf meinem iPhone „Angry Birds" spielt. Nicht dass der Hund auf jede computermäßige Modeerscheinung hereinfällt. Zum Beispiel ignorierte er „Doodle Jump" mit aller Verachtung, zu der er fähig war. „Hüpfende Monster", sagte er, „was soll ich mit hüpfenden Monstern? Ich bin selbst ein hüpfendes Monster!", und hüpfte aus der Küche. 

Aber seit vor ein paar Wochen in der „Süddeutschen Zeitung" stand, dass Barolos Lieblingsschriftsteller Salman Rushdie „Angry Birds" für die wichtigste mediale Hervorbringung des Jahres 2010 hält, hat der Hund seine Abneigung gegen Bildschirmspiele von heute auf morgen abgelegt und lässt die bunte Armada sauer dreinschauender Vögel gegen labile Bauwerke fliegen, um diese umzustürzen und die darin wohnenden grünen Schweine in Rauch aufgehen zu sehen. 
Seither ist auch mein iPhone maximal zu den Bürozeiten verfügbar, weil der Barolo es mit in sein Körbchen nimmt, um dort grüne Schweine zu jagen. Ich höre dann nichts mehr von meinem Hund, höchstens ein Keuchen zwischendurch, ein Zischen, wenn er nach einer vertanen Chance die Luft durch die Zähne einzieht, manchmal auch wütendes Gebell, wenn ihm die grünen Schweine anfangen, echt auf den Geist zu gehen.
Unangenehm nur, wenn in diesen euphorischen Spielphasen jemand anruft. Dann kommt der Barolo widerwillig aus seinem Zimmer getrottet, um mir das Telefon zu bringen, und ich habe nicht erst einen Anrufer durcheinander gebracht, indem ich ihn mit, „Pfui, ekelhaft" begrüßte. 
Aber es ist wirklich nicht angenehm, ein nasses, nach Hund riechendes Telefon ans Ohr zu pressen. Rufen Sie mich also in den nächsten Wochen lieber nicht an, okay?

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