Mein Hund Barolo nimmt mich an die Leine und schleppt mich in den Prater, wo wir zufällig an der Endstation der Linie O landen, dort gibt es nämlich ein Stehbuffet namens Peter's Platzel, Stammleser wissen Bescheid: die Existenz des Beisls war im Herbst akut bedroht, nun herrscht Klarheit. Das Lokal ist Geschichte. Der Wirt hat in erschütternd sachlichen Sätzen auf einen A4-Zettel geschrieben, was Sache ist: eine Familie, die von 1924 bis 2009 ein kleines Lokal führte, kann sich das von heute auf morgen nicht mehr leisten. „Ich danke allen Gästen für ihre Treue".
Ich nehme den Barolo an die Leine und marschiere mit ihm über die rattenverseuchte Baustelle von Wien Mitte. Wo wir früher gerne einkehrten, in das beste Zeitschriftengeschäft der Stadt im Durchgang durch den Hilton-Komplex, sind die Schaufenster zugeklebt. Das winzige Geschäft, seelenvoll betrieben von einem zeitschriftensüchtigen Paar, musste vor fast zwei Jahren zugesperrt werden, weil die Betreibergesellschaft Soravia Anspruch auf den Verkaufsraum geltend machte. Gastronomie, hieß es vage, dann mussten die Zeitschriftenmenschen, die seit fast 30 Jahren dafür gesorgt hatten, dass man am Sonntag auch in Wien Sonntagszeitungen aus England lesen kann, ausziehen. Das Geschäft wurde seither nicht vermietet. Verstehe ich etwas falsch? Verdient jemand dadurch, dass es etwas nicht mehr gibt, mehr, als wenn ein Händler Miete bezahlt? Mein Hund schnuppert an der versperrten Tür. Er bekam hier immer einen Imbiss. Aber selbst das Elefantengehirn des Barolo - wenigstens was Imbisse betrifft - hat begriffen, dass hier nichts mehr zu holen ist. Shame on you.
News auch vom neuerdings biodynamisch betriebenen Weingut Heinrich. Das Fotodokument des neuen Zugtiers siehe oben.
News auch vom neuerdings biodynamisch betriebenen Weingut Heinrich. Das Fotodokument des neuen Zugtiers siehe oben.

das hat mich sehr bewegt: schade um peters platzl - aber auch um das zeitschriftengschäft. obwohls mein täglicher arbeitsweg ist hab ichs nie wahrgenommen: nun ists zu spät....