Rapid und die Rettung

Kolumnen / Kurier Freizeit
Als ich das erste Mal schrie, sprang mein Hund Barolo auf und starrte mich mit schreckgeweiteten Augen an: „Alter, was hast Du? Soll ich die Rettung anrufen?"

Dabei hatte nur die Rapid-Sturmspitze Nikica Jelavic den Tormann des Hamburger SV Frank Rost umkurvt, den Ball anschließend jedoch so eierhaft leicht aufs Tor gespielt, dass der lange Innenverteidiger der Hamburger, Jerome Boateng, noch rechtzeitig in den Schuss rutschen konnte.
Als ich das zweite Mal schrie, begann mein Hund zu bellen, okay, der Schrei war auch viel lauter, besagter Boateng hatte einen Freistoß von Rapid-Kapitän Steffen Hoffmann an seinem Keeper vorbei ins lange Eck gescheitelt, wer könnte da nicht schreien wie eine abgestochene Sau? Apropos, ich holte dem Hund, gute Idee, ein Schweinsohr und erklärte ihm, warum es toll ist, wenn Rapid gegen den Ersten der Deutschen Bundesliga in Führung geht, es kommt nämlich pro Hundeleben höchstens einmal vor. „Verstehe", sagte der Barolo und mampfte sein Schweinsohr.
Als Nikica Jelavic wenig später nach einem geradezu lächerlich missglückten Abwehrversuch von Jerome Boateng auf 2:0 erhöhte und ich jauchzend mit zur Decke gereckten Armen vor meinem Fernseher stand, reagierte der Barolo bereits gelassener. „Gratuliere", sagte er, „wo ist mein Schweinsohr?"
In der Pause tranken der Barolo (Wasser) und ich (Bier) ein Glas miteinander, dann stürzten wir uns in die zweite Halbzeit. Als Christopher Drazan zu Beginn der Rapid-Viertelstunde auf 3:0 erhöhte, tanzte ich auf dem Sofa und sang „Wir lagen vor Madagaskar". Mein Hund Barolo aber schlief tief und selig. So schnell gewöhnen wir uns an den Erfolg.

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