Mein schwarzer Hund

Ich ertappte meinen Hund am letzten Sonntag dabei, als er es sich auf dem weißen Sofa bequem gemacht hatte und gedankenverloren in einem „Tim und Struppi"-Band blätterte. Wenn mein Hund das weiße Sofa benützt, gab es früher immer eine Krise, aber ich bin milder geworden. Kleine Sünden lasse ich meinem schwarzen Hund immer öfter durchgehen, nicht ganz ohne Gemecker, nein, dieses jedoch so halbherzig, dass der Barolo mit gehobener Fadesse durch mich durchschaut, um zu signalisieren: Ja, eh. 

Jetzt ist er zwölf, der Barolo. Was er bis jetzt nicht gelernt hat.
Außerdem schaute er drein, als ob er etwas auf dem Herzen hätte.
„Was hat dieser Hund", fragte er mit einem Blick auf den kleinen, schlauen Tintin, „was ich nicht habe?"
Und schon brach es aus dem Barolo heraus: Wie ein so kleiner, unansehnlicher und zu allem Überfluss auch noch weißer! Hund dazu komme, in einer eigenen Bilderbuchreihe abgefeiert zu werden. Wo doch jeder wisse, dass kleine, weiße Hunde sich bloß auf den Boden werfen und unangenehm schreien - der Barolo meint den kleinen, weißen Hund, den wir immer beim Spaziergehen treffen und der sich tatsächlich immer auf den Boden wirft und schreit, allerdings nur, wenn er einem großen, schwarzen Hund begegnet, wie soll's der Barolo anders wissen.
Ich ziehe also ein Buch aus dem Regal und lege es meinem Hund hin. Es heißt „Mein schwarzer Hund" und wurde von Matthew Johnstone geschrieben. In Wirklichkeit handelt es von Depressionen, aber mein Hund Barolo, der ist glücklich wie seit langem nicht mehr. Lang lebe das Missverständnis.

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