Mein Hund Nelson

Kolumnen / Kurier Freizeit
Wir haben einen neuen Hund zu Hause. Er heißt Nelson. Nelson ist ein Hirtenhund, schwarz, was sonst, und er hat viele Haare. Das mit den vielen Haaren ist natürlich immer relativ, im Vergleich zu mir hat ja zum Beispiel der niederösterreichische Landeshauptmann eine Beatlefrisur, aber Nelson hat besonders viele Haare, viel mehr Haare als mein Hund Barolo auf jeden Fall. 

Ach ja. Der Barolo kommt übrigens sehr gut mit Nelson aus, es gibt nicht die Spur von Territorialstreitigkeiten, denn Nelson begnügt sich mit einem winzigen Plätzchen in der Nähe meines CD-Players, er liegt fröhlich auf dem Cover des neuen Albums von Paolo Conte, das so heißt wie er: „Nelson". 
In einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung" erzählte Conte kürzlich, dass er es liebe, schwermütig zu sein. Deshalb weiche er auch jeder Gesellschaft wenn möglich aus. Ausgenommen von der selbst gewählten Isolation sei nur seine Frau, mit der er sich freilich regelmäßig darüber herumstreiten müsse, welches Fernsehprogramm eingeschaltet werde. Und Nelson, mit dem er die langen, intensiven Spaziergänge unternehme, auf denen er seine Schwermut erst richtig genieße. Conte gab sozusagen eine Wahlempfehlung für ein bisschen Melancholie ab. 
Im selben Gespräch erzählte er freilich auch, dass Nelson, der Hund, im vergangenen Jahr zwölfjährig gestorben sei. Nelson, das Album, ist also ein Epitaph, und ich unternehme gerade meine Herbstspaziergänge, indem ich „Nelson" beim Wandern zuhöre, neben mir Barolo, der Hund, den nur ein leerer Napf melancholisch macht.

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