Mein Hund, der Wolf

Kolumnen
Mein Hund Barolo erinnert, wenn wir über die Hundewiese dackeln, gern daran, dass er vom Wolf abstammt. Der Wolf, ihr wisst, dieses graue, hundeähnliche Wesen, das im Osten Deutschlands die ehrenwerte Aufgabe erfüllt, immer näher an die Ortschaften der Lausitz heranzurücken, um die dort beheimateten Neonazis in den Arsch zu beißen; so ein Wolf gibt mein Hund Barolo vor zu sein.

Er sieht zwar nicht unbedingt wie ein Wolf aus, mein Hund. Sein Fell ist schwarz, glänzend und kuschelig wie am ersten Tag, aber er ist ein bisschen grau ums Maul geworden - nicht sehr grau, aber grau genug, dass die Auskenner ihn auf über zehn Jahre schätzen können. Und er spart mit Freundlichkeiten. Hunde, die kleiner sind als er selbst, snobt er mit einer so selbstverständlichen Brutalität ab, dass ich mich manchmal frage, ob und wie ich das im Notfall hinkriegen würde, und wenn einmal zwei Doggen daherkommen, beide um mindestens einen Kopf größer als mein Barolo, dann fährt er denen mit dem Arsch ins Gesicht, Verzeihung, ich meine natürlich umgekehrt.

Keine Spur von Altersmilde, denkt Ihr, denke ich, aber wir haben unrecht. Zuweilen, wenn es spät ist und wir uns noch auf einen kurzen Gang um den Block machen, treffen wir einen schokoladefarbenen Labrador in adoleszentem Alter, und der ist der einzige Hund, der weiß, wie man meinem  Barolo kommen muss: schießt auf ihn zu, legt sich, noch bevor die Auren der Hunde durcheinander kommen können, auf den Rücken und schleudert in Unterwerfungspose näher - wenn ich nicht wüsste, dass Hunde keinen Humor haben, würde ich sagen: ironisch. Dann toben die drei herum um Mitternacht, der Wolf, der Schoko und die gute Laune.

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