Kolumnen

Kurier Freizeit

Hitzeferien

Kolumnen Kurier Freizeit • 24. Juli 2010
Ich hatte eine barolofreie Wochenendreise eingeschoben und war wild entschlossen, sie zu genießen, als die erste SMS aus Wien eintraf. Es sei sehr heiß, stand darin zu lesen, Wien ein Hochofen, aber man selbst halte das aus und mein Hund Barolo auch. 
In der blauen Stunde bestellt mein Hund Barolo manchmal, wenn ihm danach ist, einen Gin Tonic und befiehlt mir, „die schwarze CD" einzulegen. 
Plötzlich war mein Hund Barolo verschwunden. Ich suchte zuerst im Schatten. Wenn die Sonne ernsthaft herunterbrennt, verzieht sich der Hund gern einmal unter einen Baum oder einen Strauch, dort konnte ich aber nicht nachschauen, weil es mitten in der Stadt keinen Strauch und keinen Baum gibt. 

Unschuld

Kolumnen Kurier Freizeit • 1. Juli 2010

Wir saßen im Café und sprachen über dies und das, zum Beispiel Smoothies. Ich ärgerte mich gerade, dass mein Lieblingssmoothie, der grüne, „Kiwi, Apfel und Limette", bei meinem Lieblingsbilla in Wien Mitte nicht erhältlich ist, und die Herrschaften von „Innocent", mit denen ich am Tisch saß, versprachen, sich darum zu kümmern. Großartiger Erfolg. Sollte ich in Zukunft meinen liebsten Sommersnack im Kühlregal vorfinden, bloß weil ich gesagt hatte, dass er mir fehlt? Ich fühlte mich wichtig.

Flaumtraum

Kolumnen Kurier Freizeit • 27. Juni 2010
Mein Hund Barolo liegt vor mir. Er schläft. Er schläft gern und viel, und er träumt, seine Pfoten zucken, weil er im Traum der Katze nachrennt. Weiß jemand von Euch, ob Hunde die Katze im Traum erwischen? Ich bin mir nicht sicher, weil hie und da schmatzt der Hund im Schlaf und leckt sich die Lippen, aber der Mittelteil fehlt.

Hitzegatsch

Kolumnen Kurier Freizeit • 18. Juni 2010
Meinem Hund Barolo ist heiß. Früher schaltete er, wenn ihm die Hitze zusetzte, von normaler Atmung auf offensives Gehechel um, beließ es aber dabei. Er wusste, dass mich das Hecheln mürb machen würde. Er vertraute darauf, dass ich ihm als Gegenmaßnahme Eiswürfel in den Napf schmeißen würde oder ihm mit einem feuchten Tuch die Stirn kühlen. Manchmal servierte ich auch den Eukanuba-Sommercocktail: etwas Trockenfutter mit crushed ice. Kam super an. 
Wenn mein Hund Barolo und ich spazieren gehen, treffen wir auf vielleicht 300 Straßenmetern eine interessante Auswahl an Roma-Musikern. Diese sitzen in wechselnder Reihenfolge an dafür vorgesehenen Plätzen und spielen Quetsche. 

Barolo tanzt

Kolumnen Kurier Freizeit • 5. Juni 2010
Als zuletzt in unserem feinen Weinviertler Dorf Feuerwehr-Kirtag gefeiert wurde, bestand mein Hund Barolo darauf, tanzen zu gehen. Er tanzt gerne. Früher tanzte er auf den Hinterbeinen, die Vordertatzen auf meine Schultern gelegt, und sobald ich einen Schritt machte, der gegen die strengen Regeln der lateinamerikanischen Rhythmen verstieß, machte mich der Hund mit seiner langen, rosa Zunge darauf aufmerksam. Heute erhebt sich der Barolo nur noch selten auf die Hinterbeine. Er tanzt auf allen vieren - womit er bei vielen Kirtagen durchaus nicht auffällig wirkt.
Mein Hund Barolo und ich spazierten vorbei an den eleganten Gebäuden, in denen die Spitzen unseres Staats residieren, wir zogen den Hut vor dem Bundespräsidenten, winkten dem Bundeskanzler jovial zu, und auch wenn die beiden unsere Grüße nicht erwiderten, weil sie hinter mächtigen Fenstern wohl Besseres zu tun hatten, fühlten wir uns aufgehoben und zufrieden mit dem Gedanken, dass sie etwas Besseres zu tun haben und nicht wir - wir gingen nämlich spazieren, es war mild, und wir ahnten, dass es bis zum Frühjahr nicht mehr weit sei.

Am Bisamberg

Kolumnen Kurier Freizeit • 21. Mai 2010
Zuletzt riss mein Hund Barolo, weil er zackzack über die Straße wollte, so heftig an der Leine, dass der Metallring seines Halsbands, an dem der Karabiner der Leine befestigt wird, zerbrach. Der Hund wollte über die Straße, weil dort das Grün wächst, das er ersehnte. Leider zeigte aber die Ampel rot, und es war ein echtes Glück, dass die Materialermüdung des Halsbands nicht erheblichere Folgen zeitigte, als dass ich mit meinem Brüllen - „Barolo, stopp" - eine Traube an der Kreuzung wartender Japaner so infernalisch erschreckte, dass sie sich wie ein Cowboytreck zur Wagenburg formierten. Ich möchte nicht wissen, was demnächst in Tokio für Geschichten über die offene Psychiatrie in Österreich kursieren.

Der Heimweg

Kolumnen Kurier Freizeit • 16. Mai 2010
Wir gehen spätabends durch die Stadt, mein Hund Barolo hält sich schräg hinter mir in meinem Schatten. Ich bin im Kopf irgendwo anders, überlege, wo sich Jörg Fausers „Schneemann", den ich gerade viel zu spät gelesen habe, herumtreiben würde, wenn er nicht in München oder Frankfurt, sondern in Wien seinen Geschäften nachginge, plötzlich ein Riss, dass es mir fast die linke Schulter auskegelt: mein Hund möchte nicht weitergehen, sondern im Café Engländer eine Pause machen. Ja, denke ich mir, im Café Engländer wäre der „Schneemann" wahrscheinlich auch hie und da anzutreffen, weil im Café Engländer nämlich meistens jeder ist, und tatsächlich, am Tischchen neben dem Eingang steht mein alter Freund Phil, und schon erörtern wir etwas ganz anderes, und mein Hund kriegt was zu trinken und ich auch.
Mein Hund Barolo und ich gehen in den Stadtpark, gemächlich, es wird ja schon wärmer, so dass sich ein schwarzer Hund, 13, nicht mehr gern allzu schnell bewegt. Es überholt uns eine adrette Dame besten Alters. Sie hat es eilig, aber nicht eilig genug, um meinen Hund nicht mit einem liebevollen Blick zu bedenken und ihm ein lockeres Streicheln gegen den Strich seines Fells angedeihen zu lassen. „Lass dich anschauen", sagt sie, und ich weiß, dass sie jetzt „So ein Schöner" sagen wird, und wenn Ihr wissen wollt, warum ich das weiß, dann antworte ich: Empirie. Einer, der seit 13 Jahren mit seinem Hund in den Stadtpark geht, weiß, was ungebetene Hundestreichlerinnen sagen.
Kurz bevor mein Wecker läutet, beginnt er hecheln. Normalerweise hechelt mein Wecker eigentlich nicht, und er riecht auch nicht so komisch, so intensiv und würzig und ein bisschen ekelhaft wie mein...wie mein...Barolo! Was tust du Hundsvieh in meinem Schlafzimmer?

Barolos Gesang

Kolumnen Kurier Freizeit • 23. April 2010
Über die Musikalität meines Hundes Barolo wisst Ihr Bescheid. Er ist ein äußerst sensibles Tier, was Melodiebögen und raffinierte Rhythmen betrifft, und immer wieder treffen bei uns zu Hause kleine Päckchen von Amazon ein, in denen sich musikalische Kostbarkeiten verbergen, die der Barolo per Internet geordert hat - zuletzt das schöne Album von Bonnie Prince Billy & The Cairo Gang namens „The Wonder Show of the World". Der Hund hört die traurig-schaurigen Klänge vornehmlich auf dem Rücken liegend, und wenn man sich zu ihm legt, lässt sich der Barolo sogar am Bauch streicheln.

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