Jingle bellen

Kolumnen / Kurier Freizeit
 „Komm", sagt mein Hund Barolo und schaut mir tief in die Augen. „Setz Dich. Ich muss mit Dir sprechen."
Ich setze mich an den Küchentisch. Was will der Hund von mir? Er ist doch sonst nicht so förmlich.
„Ich bin jetzt zwölf Jahre alt", sagt der Barolo, „korrekt?"
Ich nicke.
„Also werde ich nächstes Jahr dreizehn. Das ist alt für einen Hovawarthund. Korrekt?"

Wieder nicke ich, und ich spüre weit hinten in meinem Kopf Panik aufsteigen. Will mir mein Hund etwa mitteilen, dass er die Sirenen singen hört? Möchte er sein Testament machen? Soll ich ihm seine Patientenverfügung ausfüllen?
Mit einem Schlag ist mir schrecklich präsent, dass ich immer wieder aufgeschreckt bin, wenn ich meinen Hund rief und er nicht kam (weil er mich nämlich nicht gehört und weitergeschlafen hatte). Dass ich selber weiß, dass der Barolo alt ist. Dass ich mir Sorgen um ihn mache.
Der Hund macht eine pathetische Pause, bevor er fortfährt.
„Ich wünsche mir etwas zu Weihnachten."
Die Stimme des Hundes ist so Johnny-Cash-auf-seiner-letzten-Platte-mäßig, dass es mir einen Schwall Wasser in die Augenwinkel treibt.
„Du darfst Dir alles wünschen, Barolo", hauche ich bewegt und denke, wer weiß, wie viele Weihnachten wir noch gemeinsam feiern, und während ich gegen das Losflennen kämpfe, strafft sich der Körper meines Hundes, und er übergibt mir seinen Brief ans Christkind, also an mich:
„1 kg Extra, fein geschnitten. 1 Leberpastete ohne Haut. Acht harte Eier" - mein Hund bringt Weihnachten und Ostern immer durcheinander - „und dass wir, wenn am Baum die Lichter brennen, miteinander Jingle bellen".
„Korrekt", sage ich.'

1 Comment

ich lese die geschichten ja immer mit vergnuegen, aber 'jingle bellen' ist die kroenung, und ruehrend auch noch.
ein schoenes fest euch beiden, jedem nach seinen vorlieben und wuenschen, und uns noch viele solche momentaufnahmen oder besser roentgenbilder der hundeseele.
michl
(leider ohne wuffel)

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