"Feia"

Kolumnen / Kurier Freizeit
Eine außergewöhnliche Sternenkonstellation (oder so ähnlich), machte es notwendig, dass mein Hund Barolo an dem Abend, als ich ein Überraschungskonzert des Ostbahn-Kurti besuchte, Gesellschaft von einer jungen Frau bekam, die in unserer Küche für eine Prüfung auf der Uni lernte. 

Ich war mit gemischten Gefühlen zum Konzert gegangen, denn obwohl ich die Musik des Ostbahn immer geliebt hatte, war ich mir nicht sicher, ob sie mich jetzt, sieben Jahre nach dem letzten Auftritt der Band, noch erreichen würde. Aber es dauerte dann nur ein paar Augenblicke, als der Vorhang fiel, bis ich von einer Welle des Glücks erfasst wurde, weil die Lieder, die der Ostbahn in den Saal stellte, frisch und laut und „out of time" waren, Rock'n'Roll eben, der nicht alt werden kann, und die Stories, die in den Liedern wohnten, kamen rüber und griffen zu und zeigten einmal mehr, was Ostbahn-Kurti-Texter Günter Brödl, zu dessen zehntem Todestag dieses Konzert stattfand, für ein großer Erzähler gewesen war.
Gerade als der Ostbahn Springsteen sang, vibrierte das Telefon in meiner Hosentasche. Zuhause. Ich kämpfte mich durch das textsichere Publikum nach draußen, um telefonieren zu können. Da erfuhr ich, wie der Barolo meine Abwesenheit zu nutzen versuchte: er stand, berichtete mir meine Besucherin, vor dem Kühlschrank und bellte. Wenn er nicht bellte, jaulte er. Wenn sie die Kühlschranktür öffne, beginne er übertrieben zu speicheln.
Ich ließ mir den Barolo geben. „Was fällt dir ein", giftete ich.
Doch der Barolo flötete zur Melodie von „Feia" nur „Hunger" in den Apparat legte auf. 

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