Er hat es doch nicht so gemeint

Kolumnen / Kurier Freizeit
Mein Hund Barolo und ich spazierten vorbei an den eleganten Gebäuden, in denen die Spitzen unseres Staats residieren, wir zogen den Hut vor dem Bundespräsidenten, winkten dem Bundeskanzler jovial zu, und auch wenn die beiden unsere Grüße nicht erwiderten, weil sie hinter mächtigen Fenstern wohl Besseres zu tun hatten, fühlten wir uns aufgehoben und zufrieden mit dem Gedanken, dass sie etwas Besseres zu tun haben und nicht wir - wir gingen nämlich spazieren, es war mild, und wir ahnten, dass es bis zum Frühjahr nicht mehr weit sei.

Uns kam eine adrette Frau mit einem Husky an der Leine entgegen, der Hund Barolo begann zu gurren wie eine Taube, weil er Huskys liebt wie keine andere Sorte Hund, aber der Husky erwiderte die Liebe nicht und stürzte sich grollend auf meinen Barolo und zerzauste ihm das Fell.
„Na so was", sagte die Besitzerin, nachdem sie den Husky mit Brachialgewalt von meinem keuchenden Hund weggezerrt hatte - „ihr Hund ist doch ein Weibchen. Mit Weibchen versteht sich meiner doch blendend. Entschuldigen Sie. Er muss sich geirrt haben."
In meinem umfangreichen Arsenal der Erklärungen und Ausreden, warum Viecher sich so benehmen wie Viecher, ist die, dass der Hund sich geirrt hat, als er zubiss, ein besonderes Prachtstück. Mehr noch, eine Inspiration. Sie eröffnet mannigfaltige Möglichkeiten. Der Hund wollte nicht Sie beißen, er dachte, Sie sind der Strache. Er wollte nicht hierher kacken, er dachte, er macht Gymnastik. Und nein, er wollte das Steak ganz sicher nicht fressen, er wollte nur in der Küche aufräumen. 

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