Mein Hund Barolo beugt seinen Kopf über den gut gefüllten Napf und nimmt hastig einen Bissen: die innere Unruhe, dass dem Servieren des Mittagessens dessen unmittelbare Entfernung drohen könnte, hat das Tier auch in den langen Jahren der ausreichenden Dauerversorgung nicht abgeschüttelt. Der erste Bissen wandert den Schlund hinunter, als sich dem Hund die Haare auf dem Rücken sträuben und ich über seinem Kopf in bester Duck'scher Denkblasen-Tradition die Frage aufsteigen sehe: „Was fresse ich hier eigentlich?"
Weil einerseits ist mein Hund ein Allesfresser. Was auf dem Herd zubereitet wurde, um anschließend auf die Teller der Menschen zu wandern, weckt seine uneingeschränkte Begeisterung, und sei es Apfelkompott. Nahrungsmittel, die für seinesgleichen, ja, Barolo: Hunde!, gedacht sind, betrachtet der Barolo jedoch differenziert: Trockenfutter ja, aber nur vermischt mit etwas Schmackhafterem, z.B. etwas Dosenfutter vom Besseren. Dosenfutter okay, aber nicht ohne den soliden Unterbau einer Sättigungsbeilage, zum Beispiel Reis oder Nudeln. Auf keinen Fall Trockenfutter ohne. Sicher kein 99-Cent-Dosenfutter. Wenn es passiert, dass ich nach einem langen, anstrengenden Tag das Abendessen servieren möchte und nichts ist im Schrank, wenn ich daraufhin aufgeschreckt zum Okay-Markt am Landstraßer Bahnhof laufe und mitbringe, was es dort halt so gibt, schaut mich der Hund über den Rand seines Napfes aus vorwurfsvoll blitzenden Augen an und stellt lautlos die rhetorische Frage: „Würdest Du das fressen?"
Schon stehe ich am Herd und koche für uns beide Spaghetti mit Tomatensauce. Während ich mir jedoch ein Gläschen Dolcetto genehmige, trinkt der Barolo Wasser. Er ist ja nur ein Hund.
Schon stehe ich am Herd und koche für uns beide Spaghetti mit Tomatensauce. Während ich mir jedoch ein Gläschen Dolcetto genehmige, trinkt der Barolo Wasser. Er ist ja nur ein Hund.
