Drei Möpse

Kolumnen / Kurier Freizeit
Ich spazierte mit meinem Hund Barolo durch den Prater. Die Klimaveränderung hatte den Permafrost in knietiefen Gatsch verwandelt, so dass der Barolo und ich uns leibhaftig als letzte Überlebende fühlten: sibirische Wölfe, die nicht mehr leichtfüßig über das Eis brettern können, um das eine oder andere Schneehuhn abzustauben, sondern lernen müssen, den Schlamm umzupflügen, um die eine oder andere tiefgefrorene Krabbe aus dem Dreck zu wühlen.

Wir stapften gegen die Schräge des Jännerschnürlregens und fühlten uns einsam. Ich hatte wenigstens Gummistiefel an, musste mich aber konzentrieren, nicht den einen oder anderen im Gatsch zu verlieren. Der Barolo kämpfte sich wie ein Eisbrecher durch den Schlamm, seine tiefschwarze Bauchfrisur hatte ebenso gelitten wie die Schnauze, die auch im tiefsten Dreck Beschnüffelnswertes gefunden hatte. 
„Blade Runner" im Wiener Prater also, und was fiel dem Regisseur ein? Er schickte uns eine Gestalt entgegen, einen Außerirdischen, nein, es war eine Frau in Astronautenkleidung. Aber sie war nicht allein. An langer Leine folgten ihr - drei Möpse.
Schlagartig wich meine dramatische Überlaunigkeit einem amüsierten Erstaunen. Die Möpse hoppelten durch den Dreck wie Hasen durch Lakritze. Dass sie mehr oder weniger kugelrund waren, betonte natürlich die Komik des Auftritts, und die Filmmusik in meinem Kopf verwandelte sich von düsteren Klangschwaden später Radiohead-Alben in das heitere Pling-Pling seelenvoller Nino Rota-Kompositionen.
Gut gelaunt stapften der Barolo und ich zurück zu unserem Amphibienfahrzeug. Man sollte Möpse als Winteraufheller in der Apotheke verkaufen.

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