Die weisse Spur im Himmel

Kolumnen / Kurier Freizeit
Wir lagen auf einer Decke im Schatten und kuschelten. Hoch über uns schrieb ein Flugzeug seine blendend weiße Spur in den dunkelblauen, fast schon herbstlichen Himmel, eine Spur, die meinen Hund Barolo noch vor ein paar Jahren zur Tobsucht gereizt hätte, he, wer bist du, wie kommst du dazu, meinen Garten zu verweissen!

Der Hund schmatzte, leckte sich gedankenverloren die Lippen und rammte seinen Schädel noch ein bisschen fester in meine Achselhöhle. Er seufzte zufrieden. Schatten, im Garten liegen und die Aussicht, dass es bald wieder ein bisschen frischer wird abends. Der Tau, der Barolo vermisst den feuchten, unsichtbaren Schleier, der sich nachts über die Wiese legt, also auch über ihn, denn jeder Versuch, den Hund abends ins Haus zu locken, schlägt seit einiger Zeit fehl. Selbst heuchlerische Hinweise darauf, dass am Fuß des Betts noch ein Platz frei wäre, verfehlen ihre Wirkung. Wenn ich mich daran erinnere, was für ein Kampf es war, damals, dem jungen Hund beizubringen, dass seine Bestimmung nicht darin besteht, wie ein Mensch zu leben, sondern als Teil der Natur, aus deren Schoss er stammt, den Instinkten zu folgen, in der Wildnis, okay, in unserem Garten.
So ist es gekommen. Wir haben unseren Platz gefunden, ich im Haus, der Barolo im Garten, aber wenn ich zum Beispiel abends ein bisschen in die Luft schauen möchte, dann breite ich in seinem Garten eine Decke aus, strecke mich auf ihr aus, und schon spüre ich, wie sich etwas Schwarzes, etwas Weiches, etwas Feines an mich kuschelt und mit mir in die Luft schaut, und dann schlagen unsere Herzen den Takt, warum wir Freunde sind, wir zwei.

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