Die glücklichsten 20 Minuten

Kolumnen / Kurier Freizeit
Als mein Hund Barolo und ich am letzten Wochenende das Schweizerhaus besuchten, im Anschluss an einen Spaziergang durch den luftgekühlten Prater, traten wir in den gut gefüllten Garten des Bierlokals ein - und es war wie ein Schritt in die Vergangenheit. Der Barolo erschrak förmlich vor der Erinnerung an die Wonnen, die ihm hier widerfahren waren - ich bemerkte, dass er plötzlich zu zittern begann - und augenblicklich anfing, die Tische, an denen wir vorbeizogen (er mich, um genau zu sein), zu scannen: das ist doch das Lokal mit den Knochen, dachte mein Hund unter heftiger Speichelentwicklung, und ich hatte augenblicklich das Bild vor Augen, als mein Hund die glücklichsten zwanzig Minuten seines Lebens verbrachte. 

Er lag damals im Schweizerhaus unter dem Tisch im Kies, nagte am Knochen einer Schweinsstelze, während die rechte Pfote bereits die nächste Stelze bewachte. Reines Glück im Augenblick, die Verheißung kommenden Glücks im Griff: daran musste ich denken, als wir uns durch das Gewimmel schoben. Mein Hund Barolo aber zitterte, weil er Angst hatte, dass er heute nicht so glücklich werden würde wie seinerzeit.
Nur kurz: das Bier im Schweizerhaus ist so gut, weil es so wenig Kohlensäure enthält. Und die Stelze, die anbetungswürdige Schweinsstelze, wird am Tisch aufgeschnitten und vom Knochen befreit, was wiederum die Ängste meines Hundes vertrieb, weil es nun nur noch einen Augenblick dauerte, bis das Glück vom Himmel fiel - ich meine, vom Tisch. Er war so glücklich über den ersten Knochen, dass er ganz vergaß, vom zweiten zu träumen.

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