Die Durststrecke

Kolumnen / Kurier Freizeit
Unser Spaziergang durch den Prater endet traditionell bei einem Hydranten neben dem „Jägerhaus". Mein Hund Barolo liebt den Hydranten. Er wird auf den letzten 200 Metern unserer Runde immer schneller, sehr viel schneller als am Anfang, und wenn ich dann endlich auch beim Hydranten angekommen  bin, steht mein Hund längst neben dem eisernen Durstlöscher und schaut mich lauernd an, kannst du dich vielleicht ein bissel beeilen, Hatscherter? 

Mein Hund hat Durst, der Hydrant liefert Wasser. Sobald ich die Pumpe betätige, kündigt ein interessantes, psychedelisches Geräusch das Aufsteigen des Wassers an, mein Hund verwechselt dieses Geräusch allerdings immer mit dem Geräusch bereits fließenden Wassers, bewegt Kiefer und Zunge folgerichtig, als ob er schon vom Wasserstrahl trinke, bemerkt, dass das Wasser heute sehr trocken ist, schaut mich vorwurfsvoll an und hält es für einen miesen Zaubertrick von mir, dass in diesem Augenblick das Wasser tatsächlich zu rinnen beginnt, platsch, zwischen die Ohren. Der Hund schüttelt sich und macht auch mich nass. Dann säuft er, Fließwasser, sein Lieblingswasser. So machen wir das jeden Tag.
Aber jetzt haben sie uns das Wasser abgedreht. Wie soll ich das meinem Hund erklären? Er geht täglich neben dem kastrierten Hydranten in Stellung. Er meint das Wasser und schnappt nach Luft. Er wird sich erst an die neuen Umstände gewöhnt haben, wenn der Frühling zurück ist und der Wasserstrahl ihm zum ersten Mal den Kopf wäscht. Der Winter ist Barolos Durststrecke.

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