Der kriminelle Hund

Kolumnen
Ich las meinem Hund Barolo den neulich erschienenen Kriminalbericht vor, dessen wichtigste Botschaft in der niederschmetternden Nachricht bestand, dass von vier Verbrechen, die in der Bundeshauptstadt geschehen, drei nicht aufgeklärt werden.

Der Barolo reagierte empört. „Das ist...", rief er, und er rang um einen passenden Vergleich, „...wie wenn ich im Wald viermal kacken muss und du hast dreimal kein Sackerl dabei!"
„Pst", sagte ich.
Aber mein Hund brachte sich gerade in Fahrt. „Wir müssen das Übel bei der Wurzel packen", rief er, „wir müssen Verbrechensprophylaxe betreiben, nicht dem Geschehenen hinterherhecheln..."
Wobei sich der Barolo gerade beim Hecheln gut auskennt, dachte ich.
Trotzdem überzeugte mich mein Hund davon, dass erhöhte Aufmerksamkeit in den eigenen vier Wänden von Nöten sei. Der Barolo brachte sich daher vor der Wohnungstür - von außen gesehen natürlich hinter der Wohnungstür, unsichtbar für potentielle Halunken - in Stellung. Ich hätte zwar schwören können, dass er seiner ganz normalen Abendbeschäftigung - tief und gut schlafen - nachgehen würde, doch da hatte ich mich getäuscht.
Wütendes Knurren, als die Nachbarn vom Kino heimkamen; giftiges Bellen, als nachts ein Herr singend auf der Straße vorbeispazierte; ein Keifgewitter, als der Zeitungsmann um fünf die Gazetten vor die Tür legte; ein Tobsuchtsanfall, als die Müllmänner die Mistkübel um halb sieben durchs Haus wuchteten.
Es war eindeutig ein Fall für die Kriminalstatistik: mein Hund hatte mir eiskalt den Schlaf gestohlen.

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