Der Heimweg

Kolumnen / Kurier Freizeit
Wir gehen spätabends durch die Stadt, mein Hund Barolo hält sich schräg hinter mir in meinem Schatten. Ich bin im Kopf irgendwo anders, überlege, wo sich Jörg Fausers „Schneemann", den ich gerade viel zu spät gelesen habe, herumtreiben würde, wenn er nicht in München oder Frankfurt, sondern in Wien seinen Geschäften nachginge, plötzlich ein Riss, dass es mir fast die linke Schulter auskegelt: mein Hund möchte nicht weitergehen, sondern im Café Engländer eine Pause machen. Ja, denke ich mir, im Café Engländer wäre der „Schneemann" wahrscheinlich auch hie und da anzutreffen, weil im Café Engländer nämlich meistens jeder ist, und tatsächlich, am Tischchen neben dem Eingang steht mein alter Freund Phil, und schon erörtern wir etwas ganz anderes, und mein Hund kriegt was zu trinken und ich auch.

Als wir etwas später doch weitermarschieren, bin ich mir sicher. Ja, ideale Thrillerkulisse, und wir sind noch gar nicht weit gekommen, da reißt der Hund schon wieder an der Leine, weil er in die Goldenen Zeiten, den besten Chinesen der Stadt abbiegen möchte, achtzig Meter vom „Engländer" entfernt. Okay, denke ich mir, warum nicht, sagen wir der reizenden Chefin Guten Tag, gesagt, getan, und aus dem Augenwinkel sehe ich, wie der Bundeskanzler gerade Peking-Enten-Rollen verzehrt, ich lasse meinen Hund also trinken, und dann marschieren wir sofort weiter, bis mich der Hund mit aller Kraft ins Café Prückel zerrt, fünfzig Meter entfernt, das schönste Café der Welt, zu dem ich mir die volle Freundschaft noch für den Moment aufspare, wenn endlich das Rauchen auch im schönen Trakt verboten wird. Dort bleiben wir sitzen, der Barolo und ich, und erholen uns vom Heimgehen.

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