Mein Hund Barolo feiert Geburtstag, indem er das wundersame Gebilde, das plötzlich vor seiner Nase steht, zuerst kurz beschnuppert und dann zur Sicherheit auffrisst (Filmdokument hier). Man kriegt schließlich nicht jeden Tag einen Wursthund zum Geburtstag, und auch, wenn man nicht genau weiß, was das sein soll, Geburtstag, so bekommt man doch die Ahnung, dass es etwas Angenehmes ist, zumindest das Feiern, denn dass die Knochen zunehmend zu schmerzen beginnen, ist ja ein schleichender Kolateralschaden, uns allen bekannt.
Zuerst schaut der Barolo noch misstrauisch. Könnte schließlich sein, dass es eine Falle ist, ein Test des freien Willens, oder aber eine Chance, die sich retrospektiv als keine herausstellt. Ich meine: wie oft hat der Hund schon einsam herumliegende Wurstradeln gekostet, die nachher schmerzlich vermisst wurden? Wer stellt sicher, dass der Wurstpudel tatsächlich dem Barolo gehört und nicht bloß als Geschenk für die Schwiegermutter auf dem Vorzimmerboden zwischengeparkt ist? Aber weil wir alle dastehen und feuchte Augen haben und Happy Birthday, Barolo singen, und keine Anstalten machen, die Wurstskulptur auf dem Boden wieder zu entfernen, denkt der Hund, dass seine Chance gekommen ist. Er beginnt am Geschenk zu lecken, um augenblicklich kraftvoll zuzubeißen und die Wurst so hastig zu verschlingen, wie es nur einer tut, der sein Glück nicht fassen kann.
Der Barolo ist also dreizehn. Er kann für einen Dreizehnjährigen ganz schön viel fressen. Er kann für einen Dreizehnjährigen sehr jugendlich rülpsen. Und er kann aus dem Stand umfallen und schlafen wie ich.
