Der erste Barolo?

Kolumnen / Kurier Freizeit
Als ich zuletzt mit meinem Hund Barolo einem Freund im Burgenland einen Besuch abstattete, fragte mich dessen Tochter mit großartiger Offenheit: „Das ist aber nicht dein erster Barolo? Der von damals?"
Damals, das war, als die Tochter, 19, sechs Jahre alt war und zum ersten Mal meinem Schwarzen in die Augen schaute. Damals war der Barolo noch etwas ungestümer als heute, ich nehme also an, dass die Tochter auch mit seiner langen rosa Zunge Bekanntschaft gemacht hat. Eingebrannt in ihre Erinnerung hat sich jedoch die Verbindung von Kindheit und einem schwarzen Hund, und die Tatsache, dass sich die Kindheit inzwischen in eine vergnügte Jugend verwandelt hat, duldet nicht die Vorstellung, dass der Hund, der gerade die Küche kontrolliert, derselbe geblieben sein soll.


Ich musste mich dieser Frage übrigens schon oft stellen. Ist der Schwarze, der unverdrossen an meiner Leine zerrt, der originale Barolo, eine Kopie, ein Nachfolger, ein Klon? Immerhin fällt bei der persönlichen Begegnung mit Menschen, die das wissen wollen, die Frage weg, ob es den Barolo überhaupt gibt. Es gibt ihn. Es geht ihm gut. Er plagt sich ein bisschen beim Aufstehen, aber wenn er spazieren geht, will er nicht mehr heim, und was du in seinen Napf tust, wird aufgegessen. Sein Fell ist immer noch seidenweich, und schlafen muss der Barolo viel, er hat auch beneidenswert viel Zeit dafür, ich schätze 16 bis 18 Stunden täglich.
Barolo, bist du der von damals?
Mein Hund hebt kurz den Kopf, sieht, dass ich nichts in der Hand halte, und lässt den Kopf wieder auf den Boden knallen, um weiterzuschlafen.
Er ist nicht mehr der von damals. Aber er ist es. Er ist es.

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