Das Pratergeheimnis

Kolumnen / Kurier Freizeit

Mein Hund Barolo hat ein Geheimnis. Er mag nicht entlang der Prater Hauptallee spazieren gehen. Wenn wir morgens das Auto beim Lusthaus parken und uns in das bunte Treiben der Jogger, Walker und Autos einreihen, die das Fahrverbot missachten, biegt der Hund immer mit großer Selbstverständlichkeit in den ersten Waldweg rechts ein, und das ist ein hübscher Weg, der uns weiter zur frisch renovierten Kirche von Maria Grün führt und von dort in die dichten Praterwälder.




Der Hund spaziert energisch und fröhlich. Er schnuppert an allem, was einen Geruch trägt, schreitet weit aus und versetzt seinen Körper sogar beizeiten in Galopp - okay, was bei einem alten Hund halt von Galopp übrig geblieben ist. Oft wandern wir dann bis zur Hafenzufahrtsstraße und umrunden das Lusthauswasser. Nach einer Dreiviertelstunde sind wir wieder am Parkplatz, und der Barolo lässt sich gnädig ins Auto heben, und wenn wir dann nach Hause fahren, haben wir beide das Gefühl, etwas geleistet zu haben.
Wenn ich dem Hund jedoch einmal nicht nach rechts folge, sondern die Hauptallee Richtung Praterstern gehen möchte, um vielleicht das Heustadlwasser zu umrunden, folgt mir der Barolo nicht. Er drückt sich an den Gebüschen entlang, als müsste er Minen suchen, und schon wenige hundert Meter später bleibt er stehen. In Bewegung kriege ich den Kerl erst, wenn ich mich hinter einem Baumstamm verstecke und er mich suchen muss - und wenn ich schließlich sage, okay Barolo, dann dreht der Hund um und rennt wie ein Pfitschipfeil zurück zum Lusthaus, und ich frage ihn, warum er die Hauptallee nicht mag, aber er sagt es mir einfach nicht.

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