Cloudspotting mit Ernst Molden

Kolumnen
Ich lag mit meinem Hund Barolo in einem Sandbunker. Der Sandbunker gewährte Schutz gegen den kräftigen Nordwind, der unverdrossen die nahe Küste attackierte, und wir lagen auf dem Rücken und betrachteten Wolken. Fürs Wolkenbetrachten - mein Hund sagt: Cloudspotting - ist Dänemark zweifellos die richtige Adresse. Über uns zogen dicke Plusterwolken in dynamischen Verfärbungen und mit gut definierter Muskelmasse, während ein paar Luftschichten tiefer kleine Fetzen von Schleierwolken für Unschärfe sorgten. Alles bewegte sich. Alles veränderte sich.


i steh ibahaupt ned mea auf di - Ernst Molden
Weil mir das Gebrüll der Wellen zu eintönig geworden war, hatte ich mir den Kopfhörer aufgesetzt und hörte Ernst Moldens neues Album „Foan". Ich war ergriffen. Gemeinsam mit den wilden, in ständiger Auflösung begriffenen Wolkenmustern hoch über mir ergaben die gefühlslastigen Songs, die Molden ins Wienerische übertragen hatte - von Nick Caves „Weeping Song" über Bob Dylans „Billy #1" bis zu Udo Lindenbergs Schmachtfetzen „Ich lieb dich überhaupt nicht mehr" - ein Muster melancholischer, aber auch tröstlicher Assoziationen, ein Panorama wilder Gefühle, Abschweifungen, Ersatzideen...

...bis mein Hund Barolo beschloss, mir eine Lektion in gattungsübergreifendem Sprachverständnis zu erteilen. Eine Strandwanderin kreuzte unseren Weg, und mein Hund, der bisher seinen Kopf auf meiner Schulter geparkt gehabt hatte, wollte die fälligen Grenzkontrollen vornehmen und trabte der Dame nach. Die, durch das Lärmen des Meeres nicht auf die feuchte Schnauze gefasst, die sich plötzlich in ihre Handfläche schob, machte einen Satz, drehte sich in der Luft um und rief: „Wau!"

Mein Hund nickte, sagte: „Okay", und trottete zurück zu mir.

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