Beim Hydranten

Kolumnen / Kurier Freizeit
Im Prater geht mein Hund Barolo seiner Lieblingsbeschäftigung nach: er sucht den Hydranten beim Lusthaus auf und vergnügt sich mit Fließwasser. Als wir zuletzt nach einer hübschen Runde um das Lusthauswasser dort Station machten, legte sich mein Hund kraftsparend in die Pfütze, die den Hydranten umgibt, und ließ sich das Wasser von oben in den Schlund fließen.
Als er sich nach einer Ewigkeit wieder erhob, sah er aus, als hätte ihn ein altmodischer Wirt mit Mandelsplittern paniert. 


Der Bauch, feucht und triefend vor Wasser, aber in den nassen Haaren die Reste der Kastanienblüte, die in diesem Jahr von bewegender Schönheit war. Dazu schaute mir der Hund mit aller Güte, die er verströmt, wenn der Durst gelöscht ist, in die Augen, und mir kam augenblicklich das schönste Wienerlied in Sinn, das jedes Jahr um diese Zeit Saison hat und nicht oft genug gehört werden kann: Ernst Moldens Prater-Klassiker „di Blia".
 Das Lied handelt davon, dass überall im Prater die Blüten abfallen, dass sie wie kleine Schiffe auf dem Heustadlwasser treiben, und dass man irgendwem dankbar sein sollte, wenn man gerade nichts zum Arbeiten - „zun Hackeln" - hat. Es ist ein Lied von solcher Innigkeit und Schönheit, dass man das Gefühl hat, den Prater gab es ohne dieses Lied noch nicht, die Kastanienallee, die Akazien, von denen der Lurch abfällt und sich auf den Spazierwegen sammelt wie bei uns daheim unterm Bett. Auch wenn der Molden Ernstl gerade zwei neue Alben herausgebracht hat, die es zu hören lohnt, für „di Blia" würde ich sogar mein generelles iPod-Verbot für die freie Natur lockern und empfehlen, in der Früh um acht mit diesem ewigen Lied im Ohr und dem Barolo an der Leine durch den Prater zu gehen, schöner wird's nimmer auf der Welt.

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