Barolos schwarzes Album

Kolumnen / Kurier Freizeit
In der blauen Stunde bestellt mein Hund Barolo manchmal, wenn ihm danach ist, einen Gin Tonic und befiehlt mir, „die schwarze CD" einzulegen. 

Das mach ich gerne. Die schwarze CD ist nicht nur dem Barolo, sondern auch mir ans Herz gewachsen, ich rühre also zwei und nicht nur einen Gin Tonic, damit mein Hund und ich gemeinsam in die beginnende Dämmerung starren können, während Richard Hawley passenderweise „As the dawn breaks" zu singen beginnt (siehe Website), ein Stück, das wabernd und vogelzwitschernd beginnt und daher ganz offensichtlich die Morgendämmerung meint, aber wenn sich dann der sparsame und gleichwohl satte Sound der Band aus dem Flirren schält, und wenn Richard Hawley mit seiner tiefen, samtigen Stimme zu singen beginnt, dann ist das egal, welche Dämmerung gemeint ist, weil kein Mensch sich vorstellen kann, etwas anderes zu unternehmen, als über dem Gin Tonic das Kinn in die Hand zu legen und die Gedanken schweifen zu lassen, bis es dunkel wird, und wenn es dunkel geworden ist, setzt die singende Säge ein und melancholisiert zu den wunderbaren Melodien Richard Hawleys, dann liegen wir uns in den Armen, der Barolo und ich, und feiern den großartigsten Kitsch ever. 
Wenn das Album in seine zweite Hälfte einbiegt, wenn Richard Hawley, früher Ersatzgitarrist von „Pulp" und als solcher sträflich unterbesetzt, seinem Motto „Let's Ballad" mit aller Entschlossenheit folgt, ist die Welt in Ordnung, ist die Nacht in Ordnung, und die einzige Gefahr, die auf uns lauert ist die, dass „Truelove's Gutter", die „schwarze CD", irgendwann aus sein könnte, aber so blöd sind wir nicht. Wir kennen die Repeat-Taste. Wir wollen „As the dawn breaks" heute zur richtigen Zeit hören.

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