Barolo hinten lieber

Kolumnen / Kurier Freizeit
Mein Hund Barolo und ich gehen in den Stadtpark, gemächlich, es wird ja schon wärmer, so dass sich ein schwarzer Hund, 13, nicht mehr gern allzu schnell bewegt. Es überholt uns eine adrette Dame besten Alters. Sie hat es eilig, aber nicht eilig genug, um meinen Hund nicht mit einem liebevollen Blick zu bedenken und ihm ein lockeres Streicheln gegen den Strich seines Fells angedeihen zu lassen. „Lass dich anschauen", sagt sie, und ich weiß, dass sie jetzt „So ein Schöner" sagen wird, und wenn Ihr wissen wollt, warum ich das weiß, dann antworte ich: Empirie. Einer, der seit 13 Jahren mit seinem Hund in den Stadtpark geht, weiß, was ungebetene Hundestreichlerinnen sagen.

„So ein Schöner", sagt die Dame, und während ich mir denke, dass sie vermutlich zur Kategorie der Tierliebenden gehört, die Viecher lieber haben als die Menschen, sagt sie schon den Spruch auf, den ich viel oft gehört habe, als ihn noch ernst nehmen zu wollen, aber sie gibt ihm doch einen, sagen wir, eigenwilligen Spin:
„Mir sind die Tiere hinten lieber als die Menschen vorne", sagt sie, und, sorry, ich musste nach einer Schrecksekunde, in der ich mir diese Alternative sensorisch vergegenwärtigte, antworten, dass sie da bei genauerer Betrachtung des Hintens von meinem Hund Barolo lieber nicht so sicher sein solle, aber da lief schon ihr Programm ab, und sie zitierte den Kriminalpsychologen Thomas Müller, der den Menschen eine „Bestie" genannt habe, und als ich erwiderte, dass es sich bei Müllers Bestien doch um Menschen mit eher auffälligen Lebensläufen gehandelt habe, Mörder, Attentäter, Triebverbrecher, bedachte mich die Dame mit einem Blick ins Gesicht, der mich sicher sein ließ, doch, sie hat den Barolo hinten lieber als mich, obwohl er hinten zweifellos eine Bestie ist.

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