Auf Augenhöhe

Kolumnen / Kurier Freizeit
Ich drehte mich ein paar Mal um die eigene Achse, dann ging ich langsam auf die Knie und ließ mich schließlich vernehmlich auf den Boden fallen. Ich legte die Wange flach auf den Boden, so dass ich einen guten Blick unter das Sofa hatte, wo, aha, schon seit geraumer Zeit niemand mehr gesaugt hatte. Ich seufzte. Die Flusen hüpften. 

Der Boden war hart und kalt. Ich erhob mich zurück auf die Knie und rutschte hinüber in die Küche.
Eine Küche von unten sieht merkwürdig aus. Der Küchentisch, von oben gesehen ein Schmuckstück aus dem Biedermeier, wirkt aus der Perspektive eines Hundes ziemlich schäbig, schlampig zusammengenagelt. Kein Hund mit Qualitätsbewusstsein hätte diesen Tisch gekauft. Ich machte mir eine Notiz.
Ich robbte durch die Wohnung, weil sich mein Hund Barolo bitter beklagt hatte: „Jetzt leben wir seit zwölf Jahren zusammen", raunzte er in seinem berühmten beleidigt-weinerlichen Tonfall, „und hast nicht die geringste Ahnung, was ich mir täglich anschauen muss."
Ich hatte sofort an unsere Ausflüge in die Hundezone gedacht und was der Barolo sich dort anschaut: Pisskegel an der Wand, Hinterteile von Hunden, die sein Hinterteil betrachten...sicher nicht, keine Chance.
„Nein, zu Hause!" rief der Barolo, und er ließ nicht locker, bis ich auf allen Vieren durch die Wohnung krabbelte und Erstaunliches zur Kenntnis nehmen musste, vor allem, als der Postbote plötzlich in der Tür stand (hier). Das war zu viel für mich. Ich stand sofort wieder auf. Es muss auch Vorteile haben, ein Mensch zu sein.

3 Comments

ich wüßte gerne, was das für musik ist im barolo/freßnapf - film?

danke

k.t.

Das ist ein Song namens, Überraschung: "Barolo". Von dem Album "Le Jazz fait son cirque", erhältlich im iTunes Musicstore.
Liebe Grüße,
Christian Seiler

...und ich dachte, man wird den postboten sehen, wie er in der türe steht.....:(((((
lg betty

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