Zuletzt riss mein Hund Barolo, weil er zackzack über die Straße wollte, so heftig an der Leine, dass der Metallring seines Halsbands, an dem der Karabiner der Leine befestigt wird, zerbrach. Der Hund wollte über die Straße, weil dort das Grün wächst, das er ersehnte. Leider zeigte aber die Ampel rot, und es war ein echtes Glück, dass die Materialermüdung des Halsbands nicht erheblichere Folgen zeitigte, als dass ich mit meinem Brüllen - „Barolo, stopp" - eine Traube an der Kreuzung wartender Japaner so infernalisch erschreckte, dass sie sich wie ein Cowboytreck zur Wagenburg formierten. Ich möchte nicht wissen, was demnächst in Tokio für Geschichten über die offene Psychiatrie in Österreich kursieren.
Der Barolo misst Nahtoderlebnissen wie diesem keine Bedeutung zu. Er hat andere Probleme. Am letzten Wochenende stieg ihm im wunderbaren Garten des Magdalenenhofs auf dem Bisamberg ein Kellner auf die Pfote, so dass der Hund heulte und schrie, und als der Kellner das nächste Mal kam, brachte er dem Barolo eine Riesenschüssel mit erstklassigem Tafelspitzabschnitt, und nachdem mein Hund gerade erst von der Chefin Natalie gefüttert worden war, begriff er den Zusammenhang nicht. Frau Natalie schön anschaun? Heulen und Schreien? Oder hat der Genuss etwa doch mit dem Schmerz zu tun?
Der Hund schaute jedenfalls ganz genau zu, wie wir Schnecken, Verhackertes und Fisch verzehrten, der Patron, Herr Gerer, kümmerte sich nämlich persönlich um uns, und als die Dämmerung kam, schob mein Hund mit Todesverachtung seinen Fuß unter meinen Schuh und sagte: „Steig drauf, ich hab auch schon wieder Hunger."
