August 2010

Mit Jubiläen habe ich es schwer. Ich bin kein Freund von ihnen. Der eigene Geburtstag ist mir mehr Last als die vergnügte Eröffnung eines neuen Lebensabschnitts, in dem man, je nach Alter, im Lokal Bier trinken, selbst ein Automobil lenken oder die Grünen wählen darf. Das ist lange vorbei. 
Stattdessen nähern sich Gedenktage, an denen nicht eingeladene Festredner die Verdienste eines bereits zum größeren Teil absolvierten Arbeits- und Familienlebens würdigen würden - wobei: was sollten sie da würdigen? So schnell geht das doch nicht! Keine Ahnung, wie andere Menschen mit 40 oder 50 bereits am Mond oder amerikanischer Präsident gewesen sind.

Fraktale Schokolade

Kolumnen Kurier Freizeit • 13. August 2010
Als ich zuletzt in das Schlafzimmer meines Hundes Barolo ging, fiel mir das Papier auf, das am Boden lag. Es war keine der Zeitungen, die der Hund gern vor dem Einschlafen durchblättert, nein, es war ein dunkelbraunes Papier, auf dem in großen, goldenen Buchstaben SCHOKOLADE stand, und ich zerbrach mir den Kopf darüber, wie dieses Papier wohl auf den Boden des Hundeschlafzimmers gekommen sein könnte, und mein Hund leistete mir Gesellschaft dabei und verfolgte mit großem Interesse alle meine Versuche, unter dem Tisch auch die kleinen Fetzen Alufolie hervorzuklauben, die dort, keine Ahnung wie, plötzlich in einem fraktalen Muster verteilt lagen.

Tierarztschock

Kolumnen Kurier Freizeit • 5. August 2010
Mein Hund Barolo hat keine Angst vor dem Sterben. Er hat nur Angst vor dem Tierarzt. Die Besuche in der Tierklinik Strebersdorf - wiewohl seit langem nicht mehr aus akuten, sondern bloß aus prophylaktischen Gründen, keinesfalls schmerzhaft, eher ein umfassendes Wellness-Streicheln mit Temperaturmessung und Leckerli-Ausgabe - haben sich rabenschwarz in seine Erinnerung eingefressen. Jedes Mal, wenn wir eine Straße befahren, die jener, wo die Tierklinik domiziliert ist, auch nur oberflächlich gleicht, beginnt der Hund zu fiepen und zu raunzen, Zwergerlaufstand im Kofferraum.
Beim vorletzten Besuch des Tierarzts sprang der Barolo aus dem Heck des Autos und flüchtete in den Bach. Die Feuerwehr in Gestalt von mir musste einschreiten und das flüchtige Tier aus dem Wasser zerren. 
Mein Hund Barolo liegt im Garten und wacht. Das ist seine Aufgabe. Als Hovawart muss er nicht jagen, keine Viecher zusammentreiben und nicht das Geschirr abwaschen. Er muss auf den Hof aufpassen. Er muss sich darum kümmern, dass ich bemerke, wenn jemand kommt. Er muss das Eingangstor im Auge behalten und mir mit lautem Bellen melden, dass wir Besuch bekommen, wenn wir Besuch bekommen.

Tags

Archiv

Suche

About

Auf dieser Seite seht Ihr die letzten Barolo-Kolumnen aus dem Freizeit-Kurier.
Ihr hört die Songs, über die der Hund Barolo berichtet.
Ihr seht Bilder, auf denen der Hund zeigt, wo er sich gerne aufhält.
Und Ihr könnt ins Archiv hinuntersteigen und nach Geschichten suchen, die früher stattgefunden haben.
Die Seite ist neu, sozusagen im Probebetrieb. Sie wird mehr und mehr wachsen, Bilder und Töne zeigen, Tipps geben - und immer für eine Überraschung gut sein.