Mai 2010

Mein Hund Barolo und ich spazierten vorbei an den eleganten Gebäuden, in denen die Spitzen unseres Staats residieren, wir zogen den Hut vor dem Bundespräsidenten, winkten dem Bundeskanzler jovial zu, und auch wenn die beiden unsere Grüße nicht erwiderten, weil sie hinter mächtigen Fenstern wohl Besseres zu tun hatten, fühlten wir uns aufgehoben und zufrieden mit dem Gedanken, dass sie etwas Besseres zu tun haben und nicht wir - wir gingen nämlich spazieren, es war mild, und wir ahnten, dass es bis zum Frühjahr nicht mehr weit sei.

Am Bisamberg

Kolumnen Kurier Freizeit • 21. Mai 2010
Zuletzt riss mein Hund Barolo, weil er zackzack über die Straße wollte, so heftig an der Leine, dass der Metallring seines Halsbands, an dem der Karabiner der Leine befestigt wird, zerbrach. Der Hund wollte über die Straße, weil dort das Grün wächst, das er ersehnte. Leider zeigte aber die Ampel rot, und es war ein echtes Glück, dass die Materialermüdung des Halsbands nicht erheblichere Folgen zeitigte, als dass ich mit meinem Brüllen - „Barolo, stopp" - eine Traube an der Kreuzung wartender Japaner so infernalisch erschreckte, dass sie sich wie ein Cowboytreck zur Wagenburg formierten. Ich möchte nicht wissen, was demnächst in Tokio für Geschichten über die offene Psychiatrie in Österreich kursieren.

Der Heimweg

Kolumnen Kurier Freizeit • 16. Mai 2010
Wir gehen spätabends durch die Stadt, mein Hund Barolo hält sich schräg hinter mir in meinem Schatten. Ich bin im Kopf irgendwo anders, überlege, wo sich Jörg Fausers „Schneemann", den ich gerade viel zu spät gelesen habe, herumtreiben würde, wenn er nicht in München oder Frankfurt, sondern in Wien seinen Geschäften nachginge, plötzlich ein Riss, dass es mir fast die linke Schulter auskegelt: mein Hund möchte nicht weitergehen, sondern im Café Engländer eine Pause machen. Ja, denke ich mir, im Café Engländer wäre der „Schneemann" wahrscheinlich auch hie und da anzutreffen, weil im Café Engländer nämlich meistens jeder ist, und tatsächlich, am Tischchen neben dem Eingang steht mein alter Freund Phil, und schon erörtern wir etwas ganz anderes, und mein Hund kriegt was zu trinken und ich auch.
Mein Hund Barolo und ich gehen in den Stadtpark, gemächlich, es wird ja schon wärmer, so dass sich ein schwarzer Hund, 13, nicht mehr gern allzu schnell bewegt. Es überholt uns eine adrette Dame besten Alters. Sie hat es eilig, aber nicht eilig genug, um meinen Hund nicht mit einem liebevollen Blick zu bedenken und ihm ein lockeres Streicheln gegen den Strich seines Fells angedeihen zu lassen. „Lass dich anschauen", sagt sie, und ich weiß, dass sie jetzt „So ein Schöner" sagen wird, und wenn Ihr wissen wollt, warum ich das weiß, dann antworte ich: Empirie. Einer, der seit 13 Jahren mit seinem Hund in den Stadtpark geht, weiß, was ungebetene Hundestreichlerinnen sagen.
Kurz bevor mein Wecker läutet, beginnt er hecheln. Normalerweise hechelt mein Wecker eigentlich nicht, und er riecht auch nicht so komisch, so intensiv und würzig und ein bisschen ekelhaft wie mein...wie mein...Barolo! Was tust du Hundsvieh in meinem Schlafzimmer?

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