Mein Hund Barolo hat Hunger. Schon beim Frühstück hat er einen derartigen Appetit, als hätte er die ganze Nacht über dem gleichnamigen Klassiker von Knut Hamsun verbracht, dessen eiskalte Sätze niemanden unberührt lassen: „Wohin sollte ich gehen? (...) Der Hunger stellte sich wieder ein, nagte mir in der Brust, zerrte, versetzte mir kleine feine Stiche, die mich schmerzten."
Mein Hund Barolo nimmt mich an die Leine und schleppt mich in den Prater, wo wir zufällig an der Endstation der Linie O landen, dort gibt es nämlich ein Stehbuffet namens Peter's Platzel, Stammleser wissen Bescheid: die Existenz des Beisls war im Herbst akut bedroht, nun herrscht Klarheit. Das Lokal ist Geschichte. Der Wirt hat in erschütternd sachlichen Sätzen auf einen A4-Zettel geschrieben, was Sache ist: eine Familie, die von 1924 bis 2009 ein kleines Lokal führte, kann sich das von heute auf morgen nicht mehr leisten. „Ich danke allen Gästen für ihre Treue".
Mein Hund Barolo erholte sich von der plötzlichen Erkrankung seines Innenlebens schneller, als jede Prognose das vorgesehen hätte. Knapp, nachdem ich ihm angespannt dabei zugesehen hatte, wie er einen Fingerhut Wasser zu sich nahm - wird er ihn behalten? Ist der Fingerhut zu viel für ihn? -, teilte mir der Hund auf allen Kanälen mit, dass ihn nur noch eine Sache quäle - Hunger.
Dass mein Hund Barolo ein merkwürdiges Verständnis für Humor hat, ist Euch längst bekannt, aber dass er zuletzt fast auf die Schaufel des Henkers sprang, um mich dazu zu bewegen, für ihn zu kochen, fand ich dann doch übertrieben.